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Babykokon

 

Vor einigen Monaten hatte ich schon einmal etwas über den
Baby-Kokon hier im Forum geschrieben. Seit dem beschäftigt er

mich weiter. Ich habe ihn auf den Seminaren vorgestellt,
auch in den Kinderwunschseminaren, denn auch da gehört er
hin. Kinderwunschfrauen sind werdende Mütter und alle Mütter
sollten ihn wieder entdecken.

Das Wort Baby-Konkon klingt lustig und anrührig.

Aber dahinter verbirgt sich ja noch viel mehr.

Genau genommen scheint er eine Art emotionale Sicherheits-Instanz
zu sein, so wie auf körperlicher Ebene alle Funktionen in Richtung
Versorgung des Kindes laufen. Die Milch bildet sich und Mama wird
gefüttert mit Hormonen, die ihr die anstrengende Zeit erleichtern
sollen.

Ich habe mich lange gefragt, wie das sein kann, das Mütter
nach der Geburt des Kindes in einen Zustand geraten, der mit
leichter Verwirrtheit, Weinerlichkeit und gesteigerter
Vergesslichkeit"  gut zu vergleichen ist.

Das fühlt sich dann so an: 
Einem Film zu folgen, geht nicht. Ich verliere dauernd den
Faden. Und was erzählen die da bloss im Radio - bin ich von einem
anderen Stern?  Ich kann Gesprächen nur folgen, wenn eine Person
redet, sind mehrere da, höre ich nur noch Rharbarba und schalte irgend
wie ab. Laute Geräusche machen mich wuschig im Kopf und Stress halte
ich in etwa so gut aus, wie eine brennende Kerze direkt neben meiner
Schläfe. Ich bin ausgesprochen emphatisch und muss weinen, wenn
Menschen leiden - oder ich das auch nur glaube. Schlechte Nachrichten
verkrafte ich gar nicht. Am besten stelle ich alle Geräte aus.
Ich brauche viel mehr als sonst ein Nest aus Sicherheit um mich
herum. Die Abwesenheit des Vaters verunsichert mich, gerade in den
ersten Tagen und ich träume sogar schlecht, wenn er nicht da ist.


Nun, parallel zu diesem etwas merkwürdigen Zustand kommen alte
Glaubenssätze hoch:

Früher haben die Frauen auf dem Feld entbunden ......
Früher mussten wir auch gleich alles wieder im Griff haben.....
Frauen berichten, sie hätten gleich nach der Geburt die
Fenster geputzt usw. usf.

Also stimmt mit mir etwas nicht!??

Ich habe während der Schwangerschaft mit Lina viel damit
gearbeitet. Wer von Euch Aufstellungen kennt, hat es jetzt etwas
leichter, mir zu folgen.

Ich habe mir selbst Stellvertreter - Rollen verordnet. Ich bin also
in die Stellvertreter-Rolle für ein Baby gegangen und habe mir mal
vorgestellt, wie es sich fühlt, so nach der Geburt.

Und da kamen ganz tolle Aussagen von diesem Baby.
ich habe das dann im Garten mit Biggi weiter betrieben.
Mal sie mal ich wechselten wir in Baby-Positionen und
haben das Baby dann befragt.

 

Wir lernten so eine Art Babymassage. Wie möchte das Baby
angefasst werden und wo liebt es den leichten Druck von
Mamas Händen.

Und wir lernten, wie es sich anfühlt, wenn das Baby das
erste mal an Mamas Brust gelangt. Wie hochsensibel dieser
Moment ist und wie langsam das eigentlich geschehen muss.

Wir haben den Stress empfunden, endlich da zu sein, wo
wir ja hin wollten, aber wie ausgesprochen überwältigend das ist.

Es ist wie eine ständige Angst vorm Fallen und auch Angst vor
körperlicher Verletzung. Laute Geräusche verstärken das.
Auch viele Geräusche auf einmal, denn das können die Babys
kaum noch zuordnen.

Das kam mir dann schon wieder bekannt vor und ich musste an
meine eigenen Verwirrung denken, immer nach der Geburt. Und
dass das wochenlang anhielt.

Wir experimentierten also weiter und ich hatte ja als Schwangere
ein besonderes Interesse daran, ich wollte diesmal noch sicherer
in diese Zeit gehen, meine alten Glaubenssätze endlich aus dem
Kopf bekommen.

So erzählte ich Lina, was ich alles gelernt habe und versprach ihr,
dass die ersten 2 Monate nur uns gehören würden - es sei denn, wir
wollten mehr, aber das würde ich abwarten.

Als dann der Tag der Entbindung kam, achtete ich ganz bewusst darauf,
ihr zu erzählen, was gerade geschieht. Denn auch das hatten wir
von den Babys gelernt: wenn Mama sicher ist, dann ist mir
alles recht. Dann habe ich weniger Angst.

Ich hatte diesmal auch richtig Glück. Meine Hebamme handelte ganz
in meinem Sinne und halt dezent und unaufdringlich. Sie war eine wundervolle Unterstützung.

Mit einer letzten Presswehe wurde Lina dann geboren, und da ich,
meine Hände um Michas Hals verschrenkt, auf den Knie hockend,
erst mal nach Luft schnappen musste, vergingen die ersten
Sekunden in einer Art Verharrung. Erst dann suchten meine Augen
das Baby unter mir und als ich sie ansah, da war mir, als wäre sie
geschützt in einem Ballon aus rosa Licht. Und ich dachte: ah, der
Kokon. Es kann auch das Licht gewesen sein, die Sonne verschwand
hinter dem Wald. Aber ich habe es so empfunden.

Dann kam eine Art akrobatischer Akt, in dem ich mich um
die Nabelschnur herum in einen sitzende Postition bringen musste,
und dann war es endlich so weit, ich konnte nach ihr greifen.

Ich machte das ausgesprochen behutsam, denn mittlerweile protestierte
sie lautstark und so sprach ich leise, dass ich sie jetzt in meine
Arme nehme. Sie war sooo weich.

Ich zog sie auf meinen Bauch und fühlte nur in sie rein.
Sie war wütend und auch etwas verunsichert, es war so hell,
und alles war so fremd.

Und all diese Funktionen, die ihr Körper nun plötzlich übernahm,
bereiteten ihr sichtlich Unbehagen. Sie atmete und weinte und
meckerte und verschluckte sich und wurde wieder wütend.

Die ganze Zeit streichelte ich sie ganz vorsichtig und irgend etwas
in mir ließ die Worte sagen: der kleine Bauch lernt vom großen
Bauch, die kleine Lunge lernt von der großen Lunge und so zog ich
sie etwas höher und machte mit. Ich atmete und ließ meinem Bauch
ganz viel Platz.

So ging das eine ganze lange Weile, bis dann die Hebamme und die
Ärztin die Nachsorge machten und für diesen Moment war Lina bei
Papa, der einfach nur so mit ihr da saß.

Danach war Stille. Alle waren raus und ich saß mit Lina auf dem
frisch gemachten Bett. Micha sass neben uns und draußen war ein
großer, runder, orangefarbender Mond. Der direkt zum Fenster reinschaute.

Ich saß einfach nur ganz still da. Nackt. Mit der nackten Lina
in meinen Armen und es war ein Moment des völligen Glücks. Sie
war wunderschön und sie roch auf diese ganz eigene Weise, wie
Babys riechen. Mir liefen die Tränen über das Gesicht.
Ich baute ganz bewusst diesen Kokon um uns herum. Ich hüllte mich
mit ein in dieses rosa Licht. Ich war bereit, da auch die
nächsten Wochen zu bleiben.

Und plötzlich, ganz unmerklich zunächst, bewegte sie ihren Kopf
und ihre Lippen begannen leichte Bewegungen zu machen und da half
ich ihr Zentimeter für Zentimeter in Richtung Brust. Mit einem
angemessenen Respekt, denn mir war bewusst, dass das jetzt wichtig

für sie war.

An der Brust angekommen ließ sie ihren Mund dort einfach nur
liegen. Sie machte gar nichts mehr und ich hielt die Luft an.

Dann arbeitete sie sich vor. Und schließlich nahm sie die Brustwarze
in den Mund, im Schneckentempo und dann war wieder Pause.

Und ganz plötzlich schaute sie mir in die Augen und begann zu saugen.
Und mir liefen wieder die Tränen. Ich traute mich kaum, mich
zu bewegen.

Unser erster Faden vom Urvertrauen hatte sich gebildet.
Ich hatte das nicht das erste Mal erlebt, aber nie zuvor war mir
so klar geworden, was da gerade passiert.

Urvertrauen aufbauen, das uralte Recht der Kinder auf diese
Momente, ihren Erwartungen, dass es genau so sein würde, einfach
nur entsprechen. Weil es sich so richtig anfühlt.

Der Satz:
gehe und vertraue,
erkenne die Natur der Dinge und erfahre dich in ihnen,

bekam plötzlich noch viel mehr Wahrhaftigkeit.

Gehe und vertraue (denn Dein Vertrauen ist berechtigt).


Ich kenne eine Hebamme, die sich nach 12 Jahren Beruf eine
Wöchnerin wünschte, die sich endlich mal langweilt. Sie hatte
mir das erzählt, ca. einen Monat vor der Entbindung von Lina.

Und ich habe dann sehr darauf geachtet, lange Weile zu haben.
Das war wunderbar. Und so wissen viele Hebammen, wie sich
Besuch und Hektik nach der Geburt auf die Mütter auswirken,
und können doch nicht wirklich erklären, was sie fühlen und warum
sie das so beunruhigt.


Warum aber ist das so. Und warum ist Mutter so verwirrt nach
der Geburt? Was genau hat sich Mutter-Natur dabei gedacht?

Mir fiel dann folgendes auf (denn in gewisser Weise war ja Lina
auch mein kleines Forschungsprojekt ):


In den Seminaren machen wir oft eine Übung mit den Frauen und
Männern: es sitzen sich paarweise fremde Menschen gegenüber und
fühlen nur in den anderen rein. Das geht sehr gut, denn wir tun
das ja eigentlich dauernd. Nur eben nicht bewusst.

Diejenigen die "scannen" erzählen dann nachher, was sie im anderen
gefühlt haben und oftmals sind das ganz unspektakuläre aber

umso persönlichere Wahrnehmungen und Geschichten,
die die Gescannten sehr gut annehmen können.

Die, die scannen, können durchaus Nervosität, Unruhe und auch
körperliche Symptome "lesen".

Und so fiel es mir wie Schuppen von den Augen:

In dieser so hochsensiblen Lebensphase meiner Kinder hatte ich
sie lediglich eingescannt, in jeder Minute und so sichergestellt, dass
ich ihre Empfindungen und Symptome mit bekomme.

Vermutlich trägt eine bestimmte Zusammensetzung der

Hormonellen Umgebung dazu bei, dass wir so sensitiv wahrnehmen
können.

Ihre Unruhe wurde meine, ihre Nervosität wurde meine, ihre
Verwirrtheit wurde meine und so konnte ich sie oftmals aus
diesen Situtionen herausnehmen und sie in die Ruhe bringen.

Zug um Zug wochenlang im Kokon mit dem Baby.

Ich habe experimentiert mit diesem Kokon.
Wie weit reicht er, wann bin ich drin, wann draußen.
Es war ein schönes Experiment. Und meine Sicherheit als

dreifache Mutter trug sicherlich auch dazu bei, dass es so

gut gelingen konnte.


Nach ca. 3 Monaten war es dann vorbei. Der Kokon erweiterte sich
um ein vielfaches und die unsichtbare Nabelschnur dehnte sich
weiter aus. Ich konnte wieder Filme sehen und musste auch keine
Angst mehr vor den Nachrichten haben. Ich nahm an Unterhaltungen
teil und freute mich wieder über Besuch.

Es waren dann andere Dinge, die ich erleben durfte.

Manchmal sind Babys untröstlich, weil wir im Alltag nicht
erkannt haben, dass ihr erträgliches Limit an Reizen bereits
erreicht war. Mit mehreren Kindern, Telefon und Job passiert
das schon mal

Ich gab dann dem nach, was ich in ihr fühlen konnte,
ich ging mit ihr durchs Haus, brabbelnd und schnaufend und
schaukelnd.

Und stimmte ihr zu: Ja, mein Kind, das war jetzt viel für dich:

Und mit vier Monaten wurde sie beim einem meiner

Brabbeleien und rhythmischen Melodien plötzlich ganz still,
und dann begann sie mit zu brabbeln. Da liefen mir wieder
die Tränen, denn das war so eine Art erstes Gespräch von Tochter
zu Mutter.

Sie ließ los, was sie geängstigt hatte. Und ich hatte ein Türchen
gefunden, um zu ihr durchzudringen, wenn sie einfach nur
herzzerreißend untröstlich war und konnte ihr so auch helfen,

wenn der Bauch mal drückte oder sie sich anders unwohl fühlte.

Frauen berichten

 

 

 

 
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