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Babykokon: Frauen berichten

Silvia, 2005


Ja, ich glaube, dass ist es genau, was man sich als frisch gebackene Mutter mit seinem Baby wünscht.  Wenn ich an meine eigenen Geburten denke, war es genau das, was ich wollte, und was mehr oder weniger massiv von außen gestört wurde. Meine Große war ein Frühchen, ich habe sie erst nach mehr als 24 h sehen dürfen. Die körperliche Nähe wurde rationiert von ihren nicht allzu guten Atmungswerten, dem Wärmebedarf und nicht zu vergessen: dem Arbeitsablaufplan auf der Station der natürlich nicht gestört werden sollte. Kaum hatten wir das hinter uns gelassen, wurden wir von der Familie überfallen.  Ich habe das Gefühl, uns ist in dieser Zeit etwas verloren gegangen, was sich vielleicht nie wieder aufholen lässt.
Mein nächstes lebendes Kind kam spontan zur Welt, und solange ich mit ihm im KH war, hatten wir wenigstens 5 Tage nur Zeit für uns, danach wurde ich aber ziemlich vom Alltag aufgefressen (mein Mann ist 4 Tage nach meiner Entlassung wieder Arbeiten gegangen und unsere Große war mit ihren korrigiert 1 1/2 Jahren noch sehr auf Hilfe angewiesen). Unsere Jüngste hat darauf reagiert, indem sie vehement ihr Recht einforderte, jede Nacht in meinem Bett zu verbringen. Ich glaube, in den Nächten haben wir versucht, nur für uns da zu sein. Ich habe sie gehalten, gewiegt, beruhigt ..... und hatte das Gefühl, das es genau das war, was sie wollte.
Die Kinder geben von selbst das Signal, wann sie bereit sind, aus diesem Kokon herauszukommen, und dann fällt es einem so leicht, ihn auch selbst wieder zu verlassen.


Janette, 2005


Ich habe bislang vier Kinder hier im Leben begrüßen dürfen – und sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht…
Als Lisa geboren wurde, waren wir die Ersten in einem großen Freundeskreis, die ein Baby bekommen hatten. Vom ersten Tag an waren Besucherscharen im Krankenhaus – ich platzte vor Freude und Stolz und empfand es als „schön“ und „bereichernd“ alle zu begrüßen und mein süßes Baby zu zeigen. In der dritten Nacht kam dann der „Zusammenbruch“. Lisa schrie und schrie, sie trank ganz gierig an der Brust, die mir zu platzen drohte – um Minuten später alles wieder auszuspucken und herzzerreißend zu weinen.
Ich wusste nicht, wie ich ihr helfen sollte, meine Dammnaht tat so weh – da ich noch in der Klinik war, war ich völlig auf mich allein gestellt – Martin konnte mich nicht unterstützen – ich fühlte mich schlecht und habe fast die ganze Nacht geweint. Am nächsten Tag bin ich nach Hause – ich dachte damals, dann würden mich auch die Besuchermassen in Ruhe lassen – was jedoch nicht der Fall war. Meine Freunde, die gewöhnt waren, dass unsere Haustüre immer offen stand, kamen weiterhin in Scharen – und auch wenn es mir manchmal eigentlich „zu viel“ war, fühlte ich mich geschmeichelt und war sogar stolz, wie toll wir das alles geregelt bekamen.

Als Lisa vier Wochen alt war, haben wir ein neues Schlafzimmer bekommen, Haben tapeziert und renoviert und Möbel aufgebaut. Lisa war immer mittendrin. Sie war zwar immer im Tragetuch – also nah bei mir, aber trotzdem waren da jede Menge Eindrücke, die auf sie eingestürmt sein müssen.

Bei Jannes Geburt war es ähnlich – wir waren gerade 4 Monate vorher in unser Haus gezogen – und natürlich war der Großteil noch nicht fertig. Unser Freundeskreis war immer noch sehr groß und es gab kaum einen Tag, an dem wir mit unserer kleinen Familie alleine waren. Aber sehr schön waren die ersten zwei Tage – Jannes kam in einem Geburtshaus zur Welt und wir waren morgens um 6 Uhr mit ihm zu Haus - dreieinhalb Stunden nach der Geburt. Diese ersten zwei Tage habe ich sehr genossen – Lisa hat ihren Bruder direkt an diesem ersten Morgen kennengelernt – und wir haben viel gekuschelt. Jannes hatte außerdem den großen Vorteil ein Frühlings/Sommerbaby zu sein und wir waren viel im Garten – einfach „Nichts“ tun, bzw. am Sandkasten sitzend bei Lisa. Da war zumindest in Teilen schon viel mehr Kokon, als bei Lisa…

Bei Marie waren sich dann mittlerweile alle einig, dass wir das ja alles so locker managen – da sollte es doch wohl nicht stören, dass noch ein wenig Besuch kam. Ich habe damals versäumt, auf meinem, bzw. dem Kokon meiner Kinder zu bestehen! Wie gesagt: es war durchaus „schmeichelhaft“, wenn alle Welt davon ausgeht, dass man eben zu der Sorte Mütter gehört, die ein paar Tage nach der Geburt wieder auf dem Feld arbeiten – zumindest habe ich es so empfunden. Allerdings hatte ich gerade bei Marie, bei der ich doch am meisten „Übung“ hätte haben müssen die meisten Milchstaus und zweimal eine heftige Brustentzündung…

Einen echten geschützten Babykokon hat in unserer Familie eigentlich nur Jonathan gehabt. Jonathan wurde in einer Bilderbuchgeburt zu Hause geboren – an einem wunderschönen sonnigen Morgen, mit Schnee auf den Wiesen. Er hat nicht geweint nach der Geburt – er hat mich nur ganz lange und intensiv angesehen, und sich irgendwann zufrieden seufzend in meine Arme gekuschelt. Ich habe nicht „krampfhaft“ versucht, ihn möglichst schnell an die Brust zu bekommen – ich hatte einfach das Vertrauen – es wird klappen. Er durfte die Zeit wählen – denn ich gab ihm diese Sicherheit. Ich bin ca. 1 Stunde nach seiner Geburt mit ihm in unser Esszimmer gegangen und wir haben gemeinsam mit unserer Hebamme gefrühstückt – auch dies ein Erlebnis, dass ich nie vergessen werde. In diesen unvergesslichen Stunden der absoluten „Einheit“ und des vertrauten Zusammenseins mit meinem Baby wuchs das - ja, ich würde sagen: Verlangen, dies zu schützen.  Das, was man Babykokon nennen könnte.

Viele Wochen habe ich unwichtige Termine abgesagt – habe gesellschaftliche „Verpflichtungen“ nicht wahrgenommen – sondern die Zeit zu Hause genossen. Auch das hat „Spuren“ hinterlassen. Bei mir: Gelassenheit und Zufriedenheit. Bei meinen Freunden wurde „gemunkelt“, das vierte Kind würde mich wohl doch mehr stressen, als ich vermutet hätte, schließlich würde ich ja kaum noch aus dem Haus kommen. Ich bekam gut gemeinte Angebote von Freundinnen, die mal hier oder da ein Stündchen auf Jonathan achten wollten, damit ich „auch mal wieder was Anderes sehe“!  Dass ich nichts vermisst habe, sondern im Gegenteil diese „Wir-Zeit“ sehr genossen habe und Jonathan natürlich auch, konnte kaum jemand glauben.
 
Obwohl – vielleicht ist das nicht richtig rausgekommen: auch die Babyzeit meiner drei Großen war für mich jedes Mal „gut“ und zum damaligen Zeitpunkt fühlte es sich im Großen und Ganzen „richtig“ an – aber im Rückblick, würde ich diese Zeit noch mehr „schützen“.


Simone, 2006


Ich bin mit der ersten Zeit mit Emelie nicht so ganz im Reinen und hoffe das irgendwann "gut sein" lassen zu können.

Ich erzähle mal... Viel hatte ich mir vorgenommen. Ich wusste ja schon vom Babykokon und freute mich richtig drauf. Auch aufs Stillen und alles. In meiner Familie war ich schon vorher in Ungnade gefallen, weil ich mir Besuch verboten hatte bis wir es ausdrücklich wünschten.

Während der Schwangerschaft habe ich mich immer bemüht mit meinem Baby zu sprechen. "Bemüht" ist der richtige Ausdruck. Irgendwie war es so irreal...
Die Zeit unmittelbar vor der Geburt war ich ganz bei mir. Angeblich war unser Baby schon 5 Tage „drüber“, deswegen gab es einen Wehencocktail. Ich habe die ganze Nacht lang Wehen veratmet, allein in meinen Wohnzimmer. Nur gelegentlich telefonierte ich mit meiner Hebamme. Meinen Mann weckte ich erst morgens, als es Zeit wurde aufzubrechen. Ich konnte mich ganz meinen Instinkten hingeben und wusste ganz genau einzuschätzen wie weit es vorwärts ging (die Nacht vorher hatte ich auch Wehen, allerdings arbeitete ich damit nur den Zervix ab – ebenfalls nach einem Wehencocktail)... soweit so gut. Die Geburt verlief sehr angstfrei und geborgen im Wasser.

Dann war Emelie da, wir beide froren schnell und ich wollte aus dem Wasser. Emelie schrie viel. Ich legte sie (vielleicht zu früh) an. Ich wurde 30 min. von zwei Ärztinnen genäht. Emelie schrie. Sie lag auf meinem Bauch, wurde etwas ruhiger. Ich hatte Schmerzen beim Nähen. Emelie entleere ihren Darm... es war eine ganze Menge schwarzes, klebriges Zeug. Da meine Versorgung nicht voran ging (die Fäden rissen aus dem weichen Gewebe immer wieder aus), beschloss meine Hebi Emelie erstmal zu baden und die erste Untersuchung zu machen. Emelie schrie. Mein Mann tigerte hilflos zwischen mir und Emelie hin und her und konnte uns beiden nicht helfen. DAS WAR DAS ALLERSCHLIMMSTE an der Geburt. Die 30 Minuten nähen!

Ich hatte alles so schön geplant...

Meine Hebi sagt, das es einen Fehler bei der Berechnung Emelie Geburtstages gegeben haben muss, denn sie war nie und nimmer 5 Tage über dem Termin. Ihr Jungfernhäutchen war noch außen, was eher bei Frühchen der Fall ist. Die Entwicklung der nächsten Tage bestätigen diese Vermutung.
Emelie trank nicht. Sie wollte einfach die Brust nicht - schrie. Sie trank auch nicht aus der Flasche (irgendwann gabs Fencheltee, weil sie leicht gelb wurde). Sie schlief und schlief. Ich bin ja einen Tag danach nach Hause und rief irgendwann die Hebi total verunsichert an, ob ich Emelie denn wohl wecken dürfte... Es gab dann Glucoselösung nach und nöcher. Emelie hatte eine echte Krise. Ich musste ihr mehrmals täglich Blut aus der Ferse abnehmen und den Blutzucker testen... Der Kinderarzt sprach von einer Anpassungsstörung.
Ich pumpte Milch ab (winzige Mengen) und weinte dabei, weil es einfach nicht mehr wurde...

Der Babykokon war echt in Gefahr!! Ohne meinen Mann hätte es überhaupt keinen mehr gegeben. Der hat uns echt vor allem beschützt und sich rührend um uns gekümmert. Ich bekomme jetzt noch Tränen in den Augen.

Der Kokon wurde erst wieder richtig heil, als ich nach 3,5 Wochen beschloß abzustillen. Die Pumpe schoß ich zum Mond und die Harmonie kehrte in unseren Alltag zu Zweit zurück. Wir konnten da erst richtig zueinanderfinden. Da waren meine hohen Erwartungen an mich selbst und meine Frustration einfach im Weg gewesen.

Bis heute beschäftigt mich das alles sehr. Ich habe große Schuldgefühle. Aber ich arbeite daran.

Ist ja ganz schön lang geworden, ist ja auch eine vielschichtige Geschichte.

 
So, das wollte ich schreiben. Ich bin gespannt auf weitere Geschichten.
Heikes Babykokon jedenfalls hat schon viel früher, vor der Geburt angefangen. Da bin ich ganz sicher. Und unserer nicht so richtig. Vielleicht ist das beim ersten Kind generell schwieriger?


Andrea, 2006


Ich habe jetzt irgendwie nicht die Ruhe ganz viel zu schreiben, aber ich wollte dir zumindest mitteilen, dass ich mich die letzten Tage durch diese wunderschöne Posting gelesen habe.

Du beschreibst es alles so wunderschön und genau, ich hatte sogar den Duft von Nike direkt nach der Geburt wieder in der Nase.

Auch wenn ich glaube, dass Nike und ich diesen Kokon für uns hatten, würde ich einiges geben, um die ersten Wochen nach der Geburt mit dem Wissen und dem Erlebten von heute nocheinmal zu geniessen.

Nach einer sehr schönen Schwangerschaft und einer wunderschönen Geburt hatte mich die Wochenbettdepressionen fast acht Wochen fest im Griff. Das weiss ich aber auch erst jetzt. Damals dachte ich, dass es alle Frauen so geht.... Ausserdem hat man als Sternchenmama mit Folgekind ja auch immer glücklich zu sein....

Trotzdem war mein Verhältnis zu Nike sehr innig und heute denke ich sehr melancholisch an die Kokonzeit mit ihr zurück und merke sehr deutlich, dass die Sehnsucht nach einer erneuten Kokonzeit irgendwann vielleicht doch noch erfüllt sein möchte....


Julia, 2006


bei mir hat das „Projekt Babykokon“ auch nicht so toll funktioniert!
Die Geburt und auch die Stunden danach waren zwar sehr schön und ich habe Daniel im Krankenhaus nicht aus den Augen gelassen, aber es hat eben auch nicht alles so geklappt wie ich es mir im Vorfeld vorgestellt hatte.
Ich denke manchmal, wenn ich mein Kind in den Tagen nach der Geburt schon so gut gekannt hätte, wie ich es jetzt kenne, hätte ich vielleicht manches besser machen können.
Bei uns hat das Stillen ja gar nicht geklappt und ich hatte halt auch die Vorstellung, dass eine gute Mutter unbedingt stillen muss und habe, wie ich im Nachhinein finde, mein Kind (und mich) am Anfang viel zu sehr mit Stillversuchen gequält.
Außerdem wollte ich nichts versäumen und bin gleich als Daniel noch nicht mal 2 Wochen alt war mit ihm zum Osteopathen gerannt, weil ich dachte der kann vielleicht was machen, damit er von der Brust trinkt. Da haben wir den Kokon zum ersten Mal verlassen.

Außerdem muss ich mit Daniel seit er 4 Wochen alt ist bis zu 3x pro Woche zur Krankengymnastik, mit festen Terminen, wofür ich ihn dann auch oft aus dem Schlaf oder seiner langatmigen Nahrungsaufnahme reißen musste.....

Und dann war es auch so, dass Daniel anfangs etwa 8x täglich Hunger hatte, was jedes Mal etwa 1,5 Stunden dauerte. Er trank abgepumpte Muttermilch und Pre-Nahrung, d.h. ich habe zudem noch etwa 3,5 h pro Tag abgepumpt und außerdem noch mindestens 1 Stunde pro Tag stillen geübt...und dann eben noch die Fläschchen dauernd gespült und manchmal musste ich ihn auch wickeln oder mal was essen....das war der pure Stress, so richtig toll Cocooning war da echt nicht mehr möglich.
Mein Mann hat mich zwar unterstützt so gut er konnte, aber nach 2 Wochen musste er wieder ins Büro.

Ich denke im „normalen“ Leben kann das mit dem Babykokon nur klappen wenn man wirklich viel Unterstützung hat, d.h. jemanden (z.B. Eltern) in der Nähe wohnen hat, der einen entlasten kann ohne einen zu belasten! 

Das Stillen hat bei uns nie mehr richtig geklappt und nach 10 Wochen habe ich abgestillt, weil ich ununterbrochen Milchstaus hatte, die teilweise so schlimm waren, dass ich nicht mal mehr meinen Arm richtig heben konnte (was ganz toll ist wenn man ein Baby zu versorgen hat!  ) !

Seit ich abgestillt habe und mir keine Vorwürfe mehr mache, dass das arme Kind eben keine Muttermilch mehr bekommt und seit ich mein Kind so richtig gut kenne läuft alles bestens und die Beziehung zu meinem Kind ist viel intensiver und „cocooniger“ als sie am Anfang sein konnte! Vor allem auch deshalb weil ich mich inzwischen total gut auf mein Kind einstellen kann, was ich als "Anfängermutter" erst mal lernen musste. Beim nächsten Kind klappt das bestimmt besser! 


Sandra, 2006


Also: Dein Babykokoon hat mich fasziniert - solange ich schwanger war. Als die Kinder dann da waren hat er mich gestreßt.

Angefangen hat es damit, daß ich es nicht zusammenbrachte meinen Kindern die Kaiserschnittgeburt zu erklären, ihnen zu sagen daß sie geholt werden, daß es für sie am Besten so ist. Ich war ein einziges Nervenbündel und hatte so unglaubliche Angst vor dem Kreuzstich, daß ich ganz in mich versunken war - mit unglaublich schlechtem Gewissen der Kinder gegenüber.

Als sie dann herausgeholt wurden, wurden sie mir nur für den Bruchteil einer Sekunde gezeigt und ich habe nichts gesehen, weil ich keine Brille tragen durfte. Es war ok so, denn Julia hatte Anlaufschwierigkeiten und ich wollte sie in erster Linie gut versorgt haben. Verena haben sie mir aber auch nur für 2 Sekunden gezeigt (und ich habe nichts gesehen), obwohl sie ganz gut drauf war.

Dann ging es weiter damit, dass nachher die Kinderärzte dran waren, ich im Aufwachzimmer und mein Mann mir die Kinder dann irgendwann einmal zu mir ins Bett legte. Das war zwar sehr schön, aber irgendwie völlig irreal. Das? Meine Kinder? Und? Was jetzt? Ich bin Mutter? Was heißt das denn? Um der Antwort auf diese Frage zu entgehen haben wir alle einmal geschlafen, gut einen Tag um uns dann wieder einmal miteinander zu konfrontieren.

Trotzdem, es hat der Bezug zu diesen Kindern gefehlt, ich konnte nicht realisieren, dass es meine sind, wusste damit nichts anzufangen. Dazu kommt noch, dass ich sie nicht zu mir ins Bett nehmen konnte, da es für 3 Personen zu klein war und ich außerdem körperlich sehr angeschlagen war. Die „netten“ Schwestern haben mir schwer zugesetzt, weil sie meinten, dass das Kind zur Mutter ins Bett gehört. Ich habe dann einmal einen leichten Anfall bekommen als ich sie über Nacht abgegeben habe und ich vom Kinderzimmer eine entsprechende Aussage kam und habe den netten Schwestern erklärt, dass sie gefälligst ihren Job tun sollen und dass sie nicht unschuldig dran sind, dass ich noch keine Milch habe (man hat mir zwar die Kinder gut eine Stunde nach dem Kaiserschnitt angelegt, dann sich aber nie wieder um mich und Kinder gekümmert und ich durfte nicht aufstehen und mich auch nicht aufsetzen und habe außerdem den ganzen Tag geschlafen – und hatte außerdem keine Ahnung), also wie solle ich mich um die Kinder kümmern, wenn ich gute 3 Minuten brauche um mich aus dem Bett zu quälen und dann erst mit einer Schneckengeschwindigkeit ins Kinderzimmer muß, weil ich ja noch keine Milch habe. Bis ich dort wäre, hätten sich die Kinder die Seele aus dem Leib gebrüllt und als Nebeneffekt wäre die ganze Station wach.

Jedenfalls hat mich all das unglaublich gestresst. Die Kinder nicht zu mir ins Bett nehmen zu können, unbeweglich und mies beisammen wegen der OP, die Kinder abgeben müssen und keine Milch zu haben – und - keinen Bezug zu den Kindern. Unendlichen Freude und unglaublicher Stolz waren da, aber ich hätte in den ersten Tagen niemals sagen können: ich habe meine Kinder lieb, geschweige denn mehr als das.

Mein Mann hat mir dann viel geholfen um aus diesem Teufelskreis (man ist nur eine gute Mutter, wenn man stillt, die Kinder über Nacht nicht abgibt, Mutterliebe in der ersten Sekunde nach der Geburt da ist etc.) herauszukommen. Mit dem Erfolg, dass dieser Babykokon (wenn man das überhaupt noch so nennen kann) nun wächst und wächst und wächst. Nur: Wir sind zu viert hier drinnen und mir kommt vor, dass wir vier täglich stärker werden.

Fazit: für mich hat das „Projekt Babykokon“ völlig versagt und ich wurde erst wieder ruhiger und konnte mich gefühlsmäßig den Kindern öffnen, als ich sagte: all das ist mir jetzt egal. Ich kenne kein Flaschenkind, das deshalb einen Psychiater braucht, was ich an Milch habe, bekommen sie, was nicht da ist wird eben zugefüttert. Wenn ich eine Auszeit brauche und eine halbe Stunde ohne Kinder spazieren gehen will um Abstand von den Schlafunterbrechungen zu bekommen, dann ist das ok und ICH BIN TROTZDEM EINE GUTE MUTTER. Und? Seither wird der Bezug zu den Kindern täglich mehr, seither ist es nicht mehr soo notwenig, dass ich alleine spazieren gehe um nicht durchzudrehen, seither wird die Milch immer mehr, seither schaffen sie es immer besser von der Brust zu trinken, seither schlafen sie immer länger. (Natürlich auch weil sie älter und kräftiger werden)

Liebe Heike, leider gibt es auch Leute – mich –wo das leider nicht funktioniert hat. Wie sehr ich mich doch drauf gefreut habe und wie ernüchternd dann doch die Realität war!


 

 
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